Reden statt Schießen

Reden statt Schießen. Schreiben statt Scheißen! Neue Flüchtlinge werden ernährt, verhört, in die Schulgebäude gesteckt, damit diese armen Menschen, wie Weihnachtskerzen nicht mehr in Brand gesteckt werden, und sie werden in Erinnerung behalten, trotzdem der Krieg unmenschlich ist, wir sind menschlich, wir sind keine Pilze, wir sind ihre Gegner und sehen Sie, bitte, wie großartig diese Kunst, der Krieg (nein, der Frieden, der kein Frieden ist), seine Spuren hinterläßt. Hier sehe ich nur dunkle Farben. Heute haben wir noch einen Körper entdeckt, einen jungen und verdorbenen Körper, über dessen Geschlecht man lange diskutieren kann. Vergeblich. Ich vermute, dieser Körper gehört einer jungen Frau (nein, dieser Körper gehört ihr nicht, dieser Körper gehört seinem Besitzer nicht, dieser Körper gehört uns leider auch nicht), vermutlich einer Jungfrau, die ihr Ende in diesen Ruinen, in diesen schönen Häusern fand, nein, in diesem Garten, in dem so viele schöne Lärchen, Fichten, Linden und Tannenbäume stehen (besser gesagt, sie sind auch vergewaltigt worden, diese Bäume, weil keine Blätter wir mehr auf ihren Ästen sehen können, es riecht hier nur nach Blut, Blut, Blut, Blut). Alles ist verbrannt worden. Der Körper stinkt. Ich entdecke jetzt ein Paar Fotos in der blauen Ledertasche, die dem toten Menschen auch schon leider nicht mehr gehört, die schon uns gehört. Das ist ein schönes Mädchen, ja, ich gestehe, das Mädchen ist sehr schön, sogar märchenhaft, was, alles, was ich jetzt beschreiben will, scheint märchenhaft zu sein?, nein! Ich gestehe, o weh, ich gestehe, die junge Frau sieht ausgezeichnet aus, nein, sie sieht nicht mehr aus, sie, wie gesagt wird, stinkt, sie sieht nur auf ihren relativ neuen Fotos ausgezeichnet aus, sie ist unendlich gemacht worden (?), keine gesunden Sonnenstrahlen kann sie mehr genießen, und, ihre Sonnenbrillen, hinter denen ihre Augen, wie zwei schöne, schwarze Brillanten, nein, zwei große, schwarze Sonnen, wie das Iwan Bunin irgendwo schreibt, schon leider nicht mehr geöffnet werden können, gehören auch nur uns, nur uns. Wenig Fleisch auf dem Skelett. Ihr Fleisch ist schon ungesund. Ihr Fleisch schmeckt dem Herrn nicht mehr. O Gott. Glauben Sie noch an Gott? Hä. Nur unser Schweigen dehnt sich aus, das Schweigen spritzt der Toten seine mütterliche Milch fest und neugierig und heiß in den Mund hinein, ohne Ende, ohne Pause. Ohne Pause. wo sind sie, die Ohren der jungen Frau (der Jungfrau?)? Sie sind auch verschwunden. Die Toten greifen uns an, trotzdem sie nichts mehr begreifen können. Die Toten. Die Torten. Heute habe ich z. B. zwei Stück Erdbeertorte gegessen. Aber, wie können wir feststellen, wem dieser Körper gehört? Woher wissen wir, daß dieser Körper einer Jungfrau gehört, der Jungfrau Maria? Ist dieser Mensch wirklich tot? Woher wissen wir, daß dieser Mensch wirklich tot ist? Für wen ist dieser Mensch tot? O Gott. Ich irre mich. Diese heiße Sonne, diese sommerliche Sonne, diese zu heiße sommerliche Sonne stört mich, verblendet auch mich, das Licht der Liebesflamme verblendet mich, macht mich verrückt, verzweifelt, krank, unheilbar, meine Sehnsucht ist unheilbar, nein, diese Sonne macht mich ohnmächtig und ich rede Unsinne. Ich falle. Ich kann nicht mehr atmen. Ich rede Unsinne, weil ich genau weiß, daß dieser Mensch wirklich tot ist! Aber, wenn wir einmal zulassen, daß diese junge Frau oder Jungfrau, egal, nicht wirklich tot ist? Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich will nichts wissen. Nein, ich will nichts wissen. Ich will nichts wissen. Bitte, verhüllen Sie das, gewöhnlich, ich kann nicht mehr atmen. Seien Sie menschlich, bitte und quählen Sie mich nicht. Hallo! Ist irgendwo jemand? Hallo! Der schwarze Anorak, diese wetterfeste Jacke mit Kapuze, ist schon auch leider entwertet worden, der Körper liegt auch deprimierend in seinem eigenen, trockenen, braunen, kalten Blut und ist auch teilweise festgenagelt worden, weil die kleine Stadt überfallen wurde, in der Nacht, und existiert leider nicht mehr, diese Wundmale, dieser Lanzenstich in der Brust, diese heilige Lanze, diese Mauritiuslanze, nein (egal), dieser Dornenkrone, auf dem Kopf des Herrn, die Stadt ist völlig zerstört worden, hier steht faktisch kein Gebäude mehr, hier werden vor allem Arme, Alte, Kinder und Frauen vernichtet, die Zeit ragt hier in den Raum schamlos hinein (die Zeit ist in die Materie schon zu tief eingedrungen und die Zeit braucht sich nicht zu schämen. Nur wir schämen uns, trotzdem wir unschuldig sind, wir, unschuldige SchriftstellerInnen. Warum schämen wir uns?). Wollen Sie uns noch überhaupt vergessen? Warum? Was ist weg, ist weg. Was wahr ist, ist wahr. Bitte, sehen Sie, wie der Körper einer unschuldigen Frau in der Sonne liegt, wie dieser Körper stinkt, riechen Sie das, bitte, die Fliegen kommen und legen ihre Eier auf diese Leichen, die auch unsere Leichen sind. Ja. Glauben Sie mir! Glauben Sie mir, weil Sie sich jetzt noch irgendwie retten können. Ist irgendwo jemand? Sos! Hilfe! Hilfe!

Die Regierung kommt und will die Körper der Unschuldigen zurückbekommen. Wem gehört dieses Land? Nur dieses Land und nur seine reichsten und gewissenlosen Gesellschaftsmitglieder gehören zusammen, diese Gesellschaftsmitglieder können jeden Krieg genießen, den Krieg finden sie attraktiv. Den Anorak kann jeder z. B. gratis bekommen, jedes Auto kann man schon in der Kriegszone auch gratis bekommen, jeden Körper kann man gratis bekommen, alle sind schon gleichberechtigt, die Toten und die Autos, im Tod sind alle gleichberechtigt und so verstehen wir das. So erfüllen wir ihre Träume. So verstehen wir ihre Gleichstellung. So wird auch der Emanzipatiosprozeß abgeschlossen. Gestellt werden die Toten nicht, sie werden meistens wie Holzbretter gelegt, so daß am Ende eine neue, schöne, dunkle Kluft entsteht. Diese Kluft zwischen allen Menschen, zwischen allen Herren und Sklaven, zwischen allen Reichen und Armen, zwischen uns, existiert und verbergen Sie das bitte nicht mehr! Versuchen Sie, bitte, das nicht mehr zu wiederholen: daß dieses Land uns nicht gehört, ist kein Geheimnis. Mir gehört nichts, mir gehört überhaupt kein Land, weil mir sogar mein Körper, nein, nicht nur mein Körper, sondern auch meine Seele nicht gehört, weil mir schon meine Gedanken nicht gehören, weil meine Gedanken allen anderen gehören außer mir, allen anderen reichen Gesellschaftsmitgliedern vielleicht, diesen schönen Menschen, diesen goldenen Tröpfen, die an nichts mehr denken, die aus Spaß töten und objektiv, ja, glauben Sie mir das bitte, selbst auch langsam erstickt werden. Die Toten stinken. Dieser Krieg beweist das. Wer ist dieses Mädchen? Wo habe ich dieses Mädchen gefunden, nein, nicht das Mädchen, sondern nur ihren Rest? In diesem Garten, wo nichts mehr steht, wo nichts mehr übrig ist, und nur Ameisen und Würmer spazierengehen und unser menschliches Fleisch in den Mund nehmen, das unberührte Fleisch dieser Jungfrau, ich meine, das Fleisch, das jetzt berührt wird und schon immer und überall gern berührt werden kann. Was meine ich damit? Was habe ich vergessen? Ah, bitte, wo sind die Journalisten? Warum reflektieren keine Journalisten das? Warum schweigen unsere Journalisten? Warum machen Sie immer nur Politik und warum machen sie gleichzeitig nichts für etwas, warum machen sie nichs, nichts, nichts? Keine Ahnung. Dieser Jungfrau ist das ganz egal, dieser 19-jährigen jungen Frau, die keine Jungfrau mehr ist, weil der Tod diese Frau, glauben Sie mir, trostlos entjungfert hat, wie das z. B. ein fescher Mann gern getan hätte, ist alles schon leider scheißegal, und diese junge Frau ist keine Jungfrau mehr, Krieg hat das schon mehrmals gemacht, nur der Krieg, der schon küssen, liebkosen gelernt hat, und so gut, daß ich keinen Wunsch habe, mich mit diesen wirklich schönen Sachen zu beschäftigen, nein, das tue ich nicht, nein, nein, ich beschäftige mich (noch), mit meiner Sache, die keine Sache ist, ich atme, sehen Sie, wie ich atme, wie mein Herz schlägt, hören Sie zu, bitte, ihr Herz schlägt leider nicht mehr! Das ist nicht mein Herz, mein Herz kann noch schlagen, aber was sehe ich jetzt? Ich sehe zwei Russinnen, zwei typische Russinen, diese Russinnen sprechen ausgezeichnet Georgisch und sind gezwungen, sich dem schönen Generaloberst hinzugeben und ihre langen und geilen Beine weit zu öffnen, damit der süsse Saft der Liebe ordentlich rausrinnt, nach jedem Geschlechtsakt, diese Russinnen werden freiwillig in Bewegung gesetzt, au, nein, Entschuldigung, das sind vielleicht Georgierinnen (sind sie wirklich Georgierinnen, sind sie wirklich keine Russinnen? Keine Ahnung. Egal), denen der Generaloberst ein Paar schöne Schuhe und noch etwas Wichtigeres versprochen hat, ich weiss nicht konkret was, aber das, was der Generalobers seinen Knechten schlucken gab, scheint nicht sehr attraktiv zu sein, weil die Frauen sehr schön sind, unglaublich, daß in dieser armen Provinzstadt so schöne Frauen man kennenlernen kann, der Krieg hat sie sehr erschrocken und sie sind schon bereit, alles zu machen. Vergewaltigt werden diese Frauen nicht, weil das der General schon geschmacklos findet, wozu braucht er das (so entwickelt sich die Welt, hi Entwicklung), wozu braucht er noch seinen Nicknamen in seinen Internetforen, wo alles passiert? Von Georgiern werden sie genug vergewaltigt, jetzt schon die Russen sind an der Spitze, die Russen müssen auch weg, früher oder später, nein, sie sind auch weg, aber sie wissen das noch nicht, das ist auch ihr Schicksal, Micho Saakaschwili muß auch weg, lol, aber nur vor allem die Russen, dann alles kann ganz und gar okay sein, sagt der junge Mann, der diese bittere Geschichte erzählt. Die Menschenfresser nehmen leider alles in den Mund. Zum Beispiel, ich schlucke diesen Krieg nicht; Die Sinnlosigkeit macht mir gar keinen Spaß. Ich möchte meinen Mund sauber halten. Danke. Vielen Dank! Und diese Frauen werden verschlossen, weil, wie gesagt, der Ematiopationsprozeß ja schon längst abgeschlossen ist, das heißt, jede Frau kann man schon gratis bekommen, wenn sie dazu noch genug Lust hat, damit sie, die Frauen allen Männern gehören und gleichzeitig keinem einzigen Mann gehören, oder? Nein, der Emantipationsprozeß bewegt sich nicht, wie dieser Körper, liegt, bewegungslos und stinkt, also, nehmen diese Männer ihre Frauen, ficken, dann gehen und zwingen sie auf uns zu warten, nur auf uns, wozu braucht jemand sie schon zu vergewaltigen und dann noch zu töten? Hier sind fast alle schon gezwungen, mindestens glücklich auszusehen. Viele Menschen sind ermordet worden, vor allem die Ärmsten, und geht das Leben nicht weiter, oder? Woher wissen wir, dass das Leben das alles ist, was wir sehen, riechen und hören? Wir haben oft keinen persönlichen Kontakt mit dem Leben. Diese zwei Frauen sind sehr schön, ich kann nicht beschreiben, wie sie aussehen, und sie sind gezwungen, entweder zu sterben, oder sich total dieser fremden Macht hinzugeben, genauso, wie es wir schon mehrmals gesehen und gehört haben, sie sind kindlich, diese armen jungen Frauen. Wir, freie SchriftstellerInnen können leider nichts tun. Diese Frauen sind schon nicht mehr da, trotzdem ihre Körper noch tausendmal verbraucht werden können, z. B. wie neue und effective, aber leider nicht mehr wertvolle Anlagen für die Embryonen des Herren, von den Würmern wird das alles dann vorgesehen und in Anschpruch (in den Mund) genommen, und diese Frauen müssen noch sehr froh sein, lustig aussehen, weil alle Herren prinzipiell wollen, daß alle lustig sind, daß alle lachen, trotzdem oft niemand herzlich lachen darf. Das alles nur im Bett, in ihrem Bett, alles, was natürlich ist, alles muß normal verhüllt und ausprobiert werden, bis er endlich zu seiner einzigen richtigen Entscheidung kommt: Naturfranzösisch, Naturarmenisch oder nur leider klassische Wiederholungen des Geschlechtsakts. Das ist auch kein Problem. Ich sehe, wie diese Frauen tanzen. Einmal in der Kindheit habe ich ein indianisches Märchen über den Tanz der Toten gelesen. Kann dieses Märchen etwas ändern? Brauchen die Frauen uns? Viele Frauen brauchen schon keine Männer, ich kann schwören, daß die meisten Frauen, und ihre Zahl ist schrecklich groß, keine Männer brauchen (die Männchen und ihre Märchen brauchen sie noch. Aber welche guten Frauen werden meine lieben Sätze in den Mund korrekt nehmen? Welche guten Frauen werden meinen Saft irgendwann sinnvoll schlucken?). Es handelt sich nicht nur um meine langjährige Praxis (Ich habe leider keine gute Praxis), es handelt sich nicht nur um mein Leben überhaupt, alle Frauen brauchen mich nicht, weil sie überhaupt keine Männer brauchen. Sogar die Frauen können mir nicht helfen. Sie brauchen sogar ihre alten, entfärbten T-Shirts mehr, als uns, wenn wir arm sind, und wenn wir reich sind, wir brauchen diese Frauen nicht. Aber braucht dieser General etwas? Er ist ein alter, ordentlicher, analytischer und elastischer Mann (nein, nur sein Gewissen ist elastysch, er ist persönlich nicht sehr elastisch, noch hat er viel junges Fleisch im Magen). Wo ist das Hackenkreuz hier? Kreuz ist Kreuz. Ich weiß, wie diese Mädchen von etwa 40 Soldaten vergewaltigt wurden, nachdem ihr General Schluß gemacht hatte, genauso, wie unser Herr. Schweine, Hasen, Enten, Hunde und Gänse werden geschlachtet, ohne weniges Mitleid, o Gott (an Gott glaube ich nicht), und diese Mädchen werden auch direkt vor meinen Augen vergewaltigt und geschlagen, relativ wenige georgische Soldaten können das tun. Sie bekommen Geld für ihre uninteressante Arbeit und sind nicht so unzufrieden, nein, unbefriedigt, wie diese armen russichen Soldaten, diese Menschensöhne. Viele georgische Soldaten sind reicher und bzw. älter, als diese armen Jungen (Sie müssen nur sehen, wie reich die Leute in Georgien sind! Sie sind reich reich reich). Diese jungen Frauen tanzen nicht mehr. Diese Kunst liebe ich nicht, offen gesagt, ich tanze immer nur selten, jetzt tanze ich schon nicht mehr. Dieser Soldat hat vielleicht eine Schwester. Sie ist jetzt in den Niederlanden und jeder Kunde kann einfach gern die Preisliste der entsprechenden Firma nehmen und dieses Frischfleisch (das Wort "Frischfleisch" finde ich in diesem Satz eindeutig unmenschlich, frauenfeindlich und extrem barbarisch. Ich betone: alles, was barbarisch ist, gehört mir nicht! Ich distanziere mich von der Barbarei! Aber das verstehen Sie hoffentlich sehr gut) schon preiswert ausprobieren, ihre tättoowierten Titten berühren, wenn der entsprechende Klient überhaupt zahlen kann. Ich sehe, wie ein Offizier seine Kalaschnikow nimmt und schießt. Beide werden erschossen. Beide fallen, wie Blätter, weil der General will, daß keine fremde Hand mehr ihre Körper berührt, damit diese Mädchen auf ewig nur ihm und seinen Soldaten gehören. Sein Wunsch wird sofort verwirklicht. Und bald wird die georgische Regierung die Toten mit dem Hubschrauber abtransportieren, damit diese Körper von ihren legalen Besitzer schön und normal in die Mutter Erde gelegt werden können.

Ist Liebe wirklich das Einatmen der Zukunft? Dann muß Krieg unbedingt das Einatmen der Vergangenheit sein. Ich sehe, wie diese Körper liegen, schon in mehrere Teile aufgeteilt. Diese Mädchen sind auch tot, die Soldaten haben beide verlassen und sie liegen in der roten Pfütze, ihre Körper schmelzen in der Sonne, Raben, Dohlen und Altweltgeier krächzen und öffnen ihren Schnabel. Ihnen schmeckt das menschl. Fleisch sehr gut, aber nicht so gut, wie den unverbesserlichen Nekrophilen in dieser Hölle, es gibt überhaupt gar keine andere Hölle außer dieser, die ich sehen und ertragen muß. O Gott. O Gott. Warum? Zum Glück ist Gott schon gestorben und jeder Laie weiß das. Zum Glück? Über unser Glück kann man noch selbstsicher sprechen, aber das beweist nichts. Wer ist in dieser Welt glücklich? Keine Ahnung. Glücklich kann ich sowieso nicht sein. Die Altweltgeier landen und setzten sich direkt auf die verlassenen Mädchen, von denen die Rede ist, das sind zwei Weißückengeier, denen diese tödliche Ruhe der heißen kaukasischen Straße viel Spaß macht (weil sie sehr erschrocken sind), die in der Glungge herrscht. Ich stelle mir vor, wie die Sadisten jetzt vor ihren teuren Bildschirmen sitzen und onanieren oder wie die ihnen zur Verfügung stehenden Nutten sich sofort an ihre Arbeit machen, während die Oberbefehlshaber daran denken, was sie getan haben und dadurch auch erregt werden. Die Sadisten brauchen das, ohne Blut kann kein Sadist wirklich erregt werden. Ja. Diese Körper, diese aufgeteilten Menschentöchter hätten sie wahrscheinlich besonders erregt. Leider ist kein Journalist da. Ich sehe, wie dieser Geier (dessen Kopf relativ grau ist), in die frische Wunde seinen Schnabel steckt und das kalte, trockene Blut des Mädchens zu trinken versucht. Er nimmt das rote Herz mit seinem Schnabel und beginnt dieses Provisorium, nein, dieses Superprovisorium, nein, dieses Providurium langsam zu kauen. Im Unterschied zu uns sagt dieser Vogel kein einziges Wort. "Handeln" statt Reden ist wahrscheinlich auch sein Motto.

Wer weiß, daß diese Mädchen wirklich tot sind? Wer ist überhaupt der Tod? Was ist der Tod? Wer kann das schon genau sagen? Wer ist tödlich selbstsicher und wer ist tot? Wer ist wirklich tot? Wer ist wirklich tot? Wir sind tot. Wir sind wirklich tot. Der Tod ist genauso unbestächlich, wie ich. Dem Tod ist alles egal. Der Tod ist kein Gasthaus, weil in diesem superteuren Gasthaus niemand schlafen kann. Dieses Gasthaus ist gar nicht so super toll, wie der Herr Krieg glaubt. Nur durchs Eis kann man sich wirklich nicht retten, wie z. B. Jean-Claude van Damme das in einem Film tut, dem Tod ist, wie gesagt wird, alles egal. Jemand ist tot, halbtot oder ist gar nicht tot. Aber ich höre jetzt etwas. Das sind vielleicht wieder die Soldaten. Ich höre, wie sie Russisch und Georgisch sprechen. Alles, was sie sprechen, kann ich verstehen, aber beschreiben werde ich das nicht, weil ich dieses Gespräch absolut uninteressant finde. Der General blickt herum und schreit. Er ist in guter Laune und mit Vergnügen nimmt das rechte Bein des Mädchens, versucht festzustellen, warum dieses Fleisch noch warm ist. Auf den Mädchen sitzen schon keine Vögel. Er lacht. Er ist ein Nichtraucher, trotzdem er viel und gern trinkt. Ihm ist sehr interessant, wie der Tod aussieht. Vor dem Tod müssen wir alle Angst haben. Jaja, Alle müssen terroriesiert, verängstigt sein oder nicht mehr sein, nicht mehr leben, nicht mehr drinnen in der Welt sein, die Ihnen leider auch nicht gehört. Diese Welt gehört den künftigen Generationen der Menschen, die nichts wissen und tun wollen und auch ihren Kindern (wie z. B. jedes alte Hemd uns, Georgiern gehört), diesen unschuldigen Menschen, die noch keinen Patz im Raum haben und deren Leben ohnedies irgendwo schon planiert wird, aber was machen die Soldaten jetzt im Tal, wo die toten Mädchen liegen? Es ist interessant. Nein, sie machen nichts, sie unterhalten sich und ich höre nicht sehr viel (danke, Wind!). “Wetter… Klima… Verteidigungsanlagen, etc.” Ihnen ist egal, daß die Flüchtlinge nicht schlafen können, daß diese Leere, der Tal alle Sonnenstrahlen langsam schluckt (weil es inzwischen schon dunkelt). Kein Schauspieler kann so schrecklich aussehen, zufrieden sein, wie diese Offiziere sind, sie sind wie Schauspieler bei der Uraufführung (uraufgefüht wird was? Von Wem? Wird uraufgefüht immer etwas Neues? Immer etwas Altes), die gewöhnlich mit großem Erfolg gekröhnt wird (das stimmt selbstverständlich auch nicht). Ich kann nichts mehr sagen. Ich kann heute auch nichts mehr schreiben (D. C.). Auf Wiedersehen!



Salvador Dali, Metamorphose des Narcissus

19.08.2008

 

 

 

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