Bertrand Russell


Wenn ich Elfriede Jelinek und Bertrand Russell miteinander vergleiche, sehe ich immer grosse Unterschiede zwischen ihren Meinungen. Ihnen bin ich sehr dankbar, weil sie mir oft sehr geholfen haben, wie alle anderen Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die ich besonders liebe.

Daß die besten Atheisten die besten Menschen gleichzeitig sind, ist das für mich eine der grösten Wahrheiten, aber das behalte ich lieber für mich, weil das mich nicht stört und ich mich daran gewöhnt habe, daß fast alle an Gott glauben, so oder so. Meinen Atheismus kann ich nicht eindeutig propagieren, weil ich eindeutig überhaupt nichts propagiere. Elfriede Jelinek glaubt auch nicht an Gott, es ist sehr gut, aber was kann sie allein tun? Was kann ein Mensch tun oder die anderen Denkerinnen und Denker, die ich leider nicht kenne, was können diese Menschen tun, woran haben Sie Schuld, was sollen sie noch besser ausdrücken, als nichts passiert und alle Tage einander gleich sind, wie im Tode? Nur das Leben ist originell, aber dieses leben ist nicht sehr originell, dieses Leben darf nicht sehr originell sein. Passiert etwas Schlimmes? – Ich finde, dass etwas Schlimmes, was jetzt passiert und was ich nicht ertragen kann, ist dadurch bedingt, daß jetzt viele Menschen an Gott glauben. Sie glauben nicht an die Wissenschaft, deren Bestandteil die Literatur ist, sie glauben nicht an Menschlichkeit, Gefühle, Vernunft, Zukunft, sie glauben an Gott! Es ist kein Wunder, daß wir so schlecht leben.

Ich hole etwas drinnen aus mir heraus, trotzdem ich mir (noch?) leider nichts und niemanden zurückholen kann, um diese Realität ersetzen, nein: verbessern zu können, was mein Ziel ist. Der Sinn des Lebens wird zur Zeit oft schrecklich verfälscht, es ist sehr schlecht, aber es ist paradoxerweise das wichtigste Problem des Lebens nicht. In der Kunst, im besten Sinne des Wortes, wird manchmal teilweise auch etwas verfälscht, aber sie dient dem Leben.

Aber die Frauen, deren heutige ungesunde Lebensweise in den meisten Filmen, Zeitungen und Zeitschriften propagiert wird, können das auch nicht. Sie sind fast nie ganz sicher (eigentlich teilweise zum Glück), daß, was sie sagen, wahr ist. Wenn diese Frauen etwas falsch finden, dann finden sie alles gleichzeitig falsch. Sie sind fanatisch. Diese Frauen werden auch nicht verschont. Für sie ist alles manchmal ganz falsch und manchmal ganz wahr, trotzdem hinter diesem Misstrauen sie keine grösseren Wahrheiten verbergen, weil sie allen vertrauen, die satt sind, weil sie selbst hungrig sind, aber im Gegensatz zu vielen guten Frauen, sie verstehen das nicht. Sie vertrauen am liebsten ihren Tyrannen, die ihre unmenschliche Macht mit lustvollen Gesichtern gewöhnlich ausüben. Sie wissen nichts und sie wissen auch nicht, dass sie nichts wissen. Diese Frauen sind sehr naiv. Sogar das wissen sie manchmal nicht, daß sie daran glauben dürfen, daß etwas ganz wahr sein kann. Ich finde, diese Naivität, die gleichzeitig wirklich keine grossartige Naivität ist, ist so tief in ihnen eingewurzelt, daß sie kindlich aussehen, und diese "Schönheit" ist das größte Schönheitsideal der meisten Werbungen.

Ich bin ein Mann und habe selbstverständlich meine eigene Männlichkeit. Das ist meine eigene Männlichkeit, die nichts mit dem kulturell oder biologisch determinierten Konservatismus zu tun hat; ich erkläre: ich fühle mich oft schlecht und weil diese Realität mir freiwillig ihr wahres Gesicht fast nie zeigt, ich bin unzufrieden mit der Zeit, ich bin unzufrieden mit der Normalität, und das ist, ich glaube, eine gesunde Reaktion auf meinen Zeitmangel, das ist mein schlechter Protest (weil ich so unbegabt bin) gegen meinen Zeitmangel. Ich will meine eigene, unabhängige Männlichkeit haben und endlich alles frei genießen dürfen. Das kann ich leider noch nicht, aber ich kann bemerken, dass ich keine Zeit habe. Verzeihen Sie mir, dass ich manchmal das schlecht, ungenau ausdrücke, was ich wirklich zu sagen habe. Es tut mir sehr leid. Mir fehlt das Talent.       



Christian Seidel. Illusionen

08.07.2008

 

 

 

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