Ausgang

Meine lieben Zuschauerrinnen und Zuschauer, guten Tag! Der Tag, den wir brauchen, übrigens, kommt nicht, es dunkelt und dunkelt; jedoch kann ich etwas sagen, jetzt, Ihnen, liebe Gäste der Show, noch etwas empfehlen, weil ich ihr gnädiger, reicher, strahlender Megastar bin. Heute bin ich ein wenig betrunken _ zu viel Kognak liegt mir ungewöhnlich im Blut. Mein edles, edles Blut ist voll Alkohol, nur heute, und heute will ich etwas offen sagen, was ich gewöhnlich nie tue.

Mir ist alles ganz egal. Ich bin schon ein Millionär und stehe auf der höchsten Stufe meiner Karriere. Also, ich bin eine Ausnahme, weil nicht alle Schauspielerinnen und Schauspieler so gewissenhaft und geschmackvoll sind, wie ich. Ihr Star, das bin ich, und Sie sollen in diesem dunklen Saal hocken und mir aufmerksam zuhören. Sie haben keine Wahl mehr. Ich bin Ihr Mensch, Ihr liebenswürdiger Star, und mein Reichtum verpflichtet mich manchmal, auf der Bühne, wie heute, zu stehen und zu reden. Pardon! _ Ich bin heute nur ein wenig nicht in meiner gewöhnlichen Form. Aaak!.. Nein, ich erbreche mich noch nicht, Gott sei Dank! Vielleicht wird jemand meine Rede DANN auch gut verkaufen. Zum ersten Mal in meinem Leben (das ist ziemlich merkwürdig!), das tut mir nicht mehr leid. Eigentlich, warum sind unsere Filme so langweilig? Aaak! Das weiß ich nicht. Aber ich versuche ihnen alles richtig, konkret und genau zu erzählen; ich weiß, ich vergesse nie, was für ein Mensch ich bin. ich bin ein Schurke, und Sie loben mich. Sie wissen nicht, was für ein Tier ich bin. Nein, die Tiere sind sehr liebevoll, trotzdem es sich hier um kein Tier handelt. Ich bin ein Monstrum. Meine Kolleginnen und Kollegen werden über meinen Auftritt zu viel lachen; sie trinken zu wenig, da sie immer lieber die Armen ficken, und dann lachen, und sind, also, sehr beschäftigt. Jeden neuen Tag neue Partnerinnen und Partner, trotzdem sie ihnen immer etwas Christliches zeigen: ihre Körper, die christlich sind. Offen gesagt, ich bin kein Christ mehr. ich bin ein Buddhist. Schon. Das ist meine freie Wahl. Ich wähle immer etwas Freies, Originelles, Mystisches und bin traurig, wenn jemand stirbt. Diese ewige Ruhe ist mein Motto. Der Tod ist nicht so schrecklich, wie er beschrieben wird, er ist nur ein schwarzer Punkt, eine schwarze Flecke, nichts mehr. Diese Flecke ist manchmal auch rot, aber egal, diese Tatsache hat auch keine Bedeutung. Ich bin aber kein guter Buddhist. Manchmal kommt es mir vor, das dieser Glaube auch falsch ist. Wer weiß?.. Meine kämpferische Natur passt nicht zu dieser Religion; sie ist nicht mehr in Mode. Und ich liebe, wenn ich etwas trage _ etwas, das letzte Wort der Mode werden kann, aak! Pfui, Scheiße, ich bin heute in schlechter Laune, stehe auf dieser blöden Bühne und drücke meine Bedingungen und Meinungen ganz frei aus! Der Alkohol wirkt. Das ist auch absurd, ich sollte heute nicht hier stehen. Aber wo musste ich stehen? In Tiflis gibt es viele schöne Cafes. Das schönste betrete ich immer, wähle meinen Platz und diese verdammten kleinen Kellnerinnen und Kellner wissen schon, was ich essen mag. Dann lerne ich immer neue Mädchen kennen, die fast alle Details aus meinem Leben wissen, aber kenne ich sie, natürlich, persönlich nicht. Und ich mache sie glücklich. Sie freuen sich, es ist ihnen sehr angenehm, von einem Filmstar zuerst gestachelt und dann darauf stolz zu sein, daß du gestachelt bist. Dann tragen sie meine Flüssigkeiten zwischen ihren schönen Beinen und unter meinen Unterhosen immer gern… Sie verlassen gerne ihre armen Maler, Filmschauspieler, Schriftsteller, Bildhauer, alle, alle, die arm, alt, kurz gesagt, nicht mehr konkurrenzfähig sind und kommen immer zu mir selbst. Sie sind froh, weil wir, also, so begabte Künstler, wie ich bin, sie und ihre Heimat selten besuchen. Wir unterhalten uns oft, weil mir es sehr interessant ist, was sie fühlen; ihre Erfahrungen brauche ich sehr. Ja, ich finde, es ist geschmacklos, immer nur an etwas Fleischliches zu denken. Das ist mein Prinzip. Sie fühlen sich manchmal selbst auch unbequem. Warum denn? Wir sind alle schon gleichberechtigt. Es ist wirklich nichts, daß ich ein weltbekannter Schauspieler bin! Einfach, sie können das nicht verstehen.

Unsere mystischen Filme verkaufen wir schlimmer, natürlich, als alle Filme über Kriege, in denen jede kämpfende, tragische Natur des Menschen ganz objektiv gelobt wird, aber jedoch sehr gut. Es hat keine Bedeutung, wer gegen was kämpft, Offizier ist Offizier und das ist wirklich die beste Kunst, wir bleiben immer objektiv und vergessen alles Persönliches.

Wenn ich mich an die Filme erinnere, an denen ich teilgenommen habe, bin ich selbst immer stolz und weine; mein Beruf ist mir todeswichtig. Wenn jemand mir eine schöne Idee gibt, bin ich immer beruflich ganz frei. Unterm freien Himmel schützen mich meine Sonnenbrillen und mein Pilzhut, diese kleinen Beispiele des Himmels, der scheußlich blau ist. Eigentlich, ich bin immer verheiratet. Besser gesagt, weder ledig, noch verheiratet, aber fühle ich mich immer ganz sicher, natürlich so, wie jeder moderne, reiche, bekannte, intelligente, sympathische und junge Mann, der nie auf seine goldene, feine Uhr blickt... Scheiße! Passen Sie auf! Ich erbreche mich direkt vor Ihren Augen. Aaaaaak! Das funktioniert immer herrlich, wenn ich betrunken bin _ ich habe genug Geld und kann mich überall erbrechen, wo und wann ich will! Ich habe viele Meinungen in meinem Kopf, die schon frei sind und auf ihren Herrn, mich, warten.

Wer reagiert auf unsere Gedanken? Unsere Regierung, die alles kontrolliert und wie jeden überdimensionalen, langweiligen Film dreht, in dem wir noch leben und an dem wir teilnehmen _ jeder hat seine bestimmte Rolle und jede Rolle ist so wichtig, wie meine Rolle. Alles wissen sie, diese Amtspersonen, die frei erfunden werden, und so läuft dieses Kind, die Gesellschaft, das unterwegs von seinen Eltern geschlagen wird. Es tut mir leid. Solche Kinder lernen wir immer gerne kennen und sie nehmen ihrerseits auch gerne an unseren Filmen teil. Sie haben keine schöpferischen Kräfte mehr. Nein, es ist schlimm, aber wir können leicht in ihrer Seele immer einen neuen Künstler erziehen _ es ist schlimm, das sie manchmal nichts verstehen, nichts, was unsere Regisseuren sagen... Das sind meine Tricks für Sie, meine lieben Gäste; Alles lerne ich fleißig, wenn ich auftrete, immer. Manchmal habe ich keine Zeit selbst, und mir helfen meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die über alles lachen, was ich sage! _ Ich bin noch auch ein bekannter Witzbold. Mein Humor, der jede Grenze überschreitet, besiegt diese falschen Wahrheiten.

Jedes Auto ist nützlich, nötig und vorteilhaft, weil sie, die Autos, keine fleischlichen Strebungen haben. auf dem Bildschirm lächeln wir, leider nicht genug künstlich, aber schon genau so, wie in einem kleinen, schönen, sauberen, kapitalistischen oder ehemaligen sozialistischen KZ-chen. Wenn Sie das interessiert, wie sie, diese Asylanten, in den KZ-chen gelebt haben, können Sie gerne ihre Fotos besichtigen. Es tut mir leid, aber das ist schon unsere Geschichte, und wir sind da. Die Geschichte können wir irgendwie noch verändern, aber das Leben leider nicht; sie sind, alle, tatsächlich, tot. Warum klingt das Wort Konzentrationslager wie das Wort Kreuz? Das weiß ich nicht. Das ist einfach merkwürdig. Wir können alles unendlich differenzieren und differenzieren, das verspreche ich Ihnen. Die Leute hören mir zu und schlagen dann ihre Frauen und Kinder. Trinken sie etwas _ immer, zu viel Kognak, Bier, Wein, Sekt, das empfehle ich ihnen; der Alkohol macht ihre Herzen lustig und sie vergessen dann alles, Sie verabscheuen nichts, wenn Sie betrunken sind, und das ist auch großartig. Aber warum rächen sie sich, diese Leute dann an den Schwächeren? Das ist ein Rätsel, das ist auch rätselhaft. Einfach, es ist sehr leicht, jemanden zu vernichten. Warum finden sie es leicht? Ich gestehe, das weiß ich auch nicht, ich habe einfach keine Lust das zu wissen (Lachen). Aaak! Ich spreche jetzt, das gefällt mir selbst, aber ich bin nicht verpflichtet, besser gesagt, ich fühle mich nicht verpflichtet, mit Ihnen über etwas zu sprechen oder zu diskutieren. Das ist ein herrliches Gefühl, etwas einzupacken und zu fliegen, einfach spurlos zu verschwinden. Ja, ich spreche und niemand wird sich an dieses Gespräch irgendwo erinnern! Niemand merkt sich seine bitteren Erfahrungen, nur ihre primitiven Kameras sind in dem Saal aktiv, vielleicht, Gott ist lange gestorben, das weiß ich sehr gut. Ja, ich bin innerlich kein Buddhist. Das ist einfach modisch, und ich glaube an diesen Gott, weil es modisch ist, nichts mehr. Manche Schauspielerinnen und Schauspieler haben die größte Angst vor ihrer eigenen Selbst und der Zukunft, ich habe keine Angst vor etwas mehr. Mein Leben ist schön, besser, als jeder Spielfilm, aber das können Sie nicht verstehen! Es tut mir auch sehr leid. Das ist mein respektvolles schauspielerisches Gesicht. Nein, alles ist wirklich, was ich spiele, jede Rolle, in dem wahren Leben bin ich auch so streng, wie in allen meinen Filmen, aber das wollen Sie nicht wissen und das wissen Sie nicht. Dieses ewige kulturelle Defizit hat auch seine Vorteile! Ich sehe sehr viele Ausgänge in diesem Saal. Ich sehe viele Auswege. Ich sehe alle Auswege, und Sie können sie auch sehen, natürlich, wenn Sie das wollen. In meinen Filmen ist alles merkwürdig gezeigt. Manche Leute haben kein Gewissen mehr, ich habe noch ein wenig Gewissen! Jemand sitzt in mir und korrigiert alle Fehler. Ich habe keine Moral mehr, ich habe schon nur meine eigene, unkomplizierte Philosophie. Was verkauft ist, ist verkauft und gibt es keine Zuversicht mehr. Mein Leben ist noch, zum Glück, zu teuer und gut geschützt. Nach meinem Tod wird die Kirche ihr Geld bekommen, trotzdem ich mehr an nichts glaube. Ja, ich bin kein Christ mehr, aber meine Kirche, meine Mutter verdient das. Sie hat sehr, sehr viel Geld, aber nur sie und nicht Sie verdienen das. Manche Intellektuellen sind sehr gefährlich. Einfach, die Intelligenz ist sehr gefährlich überhaupt, wenn sie in unseren Grenzen, irgendwo entsteht. Ja, sie kann auch irgendwo hier entstehen, aber ich brauche niemanden mehr; ich brauche keine Liebe, meiner Sache bin ich, wie immer, selbst allein noch irgendwie gewachsen. In allen Gasthäusern kennen mich meine Zuschauer persönlich. Sie lachen und beugen sich direkt vor mir, wenn ich an ihnen vorbeigehe. Ich brauche alles in der besten ursprünglichen Form (wie z. B. Jungfrauen das immer tun, nur das meine ich!?). Alles entspricht meinem Geschmack, meinem eigenen politischen Geschmack, und ich fühle mich überall ganz bequem. Das ist keine Absurdität, mein Kampf. Jeder Kampf in allen Spielfilmen ist heilig. Ich weiß, zu Hause alle Kinder (und nicht nur sie!) inszenieren örtlich das, was ich ihnen zeige. Die Straßen sind jetzt fast leer... Es tut mir echt leid. Es ist in Wirklichkeit nicht sehr peinlich, schwanger zu sein. Sie gehen in die Schule lustig, und spielen ihre Rolle wunderbar. Sie lieben mich, und sie kennen mich besser, als meine Mutter, weil sie alles immer richtig bemerken. Sie sind aggressiv, aber nur ein bißchen böse. Das ist mein Plan, den wir, alle durchsetzen. Zu Hause warten auf sie auch ihre Eltern, die, wenn sie verliebt sind, sie brutal verfolgen, und ist es keine Tragödie mehr: sie können unsere Filme genießen, wenn sie sich allein und verlassen fühlen. Sie wissen endlich, daß sie ihre Probleme, nur selbst, nur selbst erledigen können. Das ist unsere Gesellschaft mit allen ihren Schichten. Sie stellen mir alle Fragen korrekt, weil sie meinen Preis kennen. Und alles ist wie in unseren Spielfilmen. Sie glauben nicht, wie verdorben jemand ist, für sie ist das Leben wie ein Film, wirklich langweilig, aber ganz verständlich und erträglich. Und ich beweise und beweise, wie interessant es ist, warum können wir tun, was wir jetzt tun. Es wird jetzt NICHTS geschehen! Überall sehe ich diese Leere. Wer ist vernichtet, aber wer fühlt sich noch ausgezeichnet? Ich bin schon nicht mehr betrunken. Einfach, nur ein Glas Kognak ist nicht zu viel und nicht zu wenig, aber, natürlich, ungesund, als alle TV-Nachrichten, trotzdem sie immer nach etwas (?) riechen. Ich habe den höchsten Filmpreis. Ich liebe meinen Preis sehr, er macht mich ganz frei. Er liegt jetzt irgendwo in meiner Dreizehnzimmerwohnung und wartet auf mich. Er braucht keine Umarmungen. Ich brauche aber selbst innerlich immer zu viel Marmelade, Schokolade, Fleisch, etc, usw.

Was ist los? Ah, schlafen Sie oder gähnen Sie mindestens? Nein? Es tut mir leid, ich gehe. Das ist wirklich etwas.



Die meditative Rose. Salvador Dali

2007/2008

 

 

 

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