Ultraviolett ist mein Sein

Wer bin ich? Viele Menschen werden auch heute noch verfolgt, was mir sehr leid tut, augenblicklich werde ich verfolgt noch nicht, aber die Gefahr ist im Anzug, die Gefahr ist im Anzug (nein, im Anzug total nicht, vielleicht auch irgendwo, draußen, im Regenmantel, im Regelmantel) und jeder Mensch kann vielleicht in jedem Augenblick verfolgt, von den Geheimdienstlern der Georgischen Regierung in einem geheimen Gefängnis eingesperrt, wo diese Leute ihre geheimen rosaroten Zellen haben, und geschlagen, vernichtet werden, was sie, diese Geheimdienstler mir einmal versprochen haben, was mir sehr leid tut, weil meine Bücher ihrer Meinung nach zu gefährlich sind, trotzdem ich an nichts glaube (ja, ich betone das mehrmals, ich glaube an nichts, nein, ich galube nicht an nichts, ich gaube eifach an nichts!), weil ich selbst, ihrer Meinung nach ein Genie bin, was sehr lächerlich (gefährlich?) ist, weil ich leider zu dumm bin und dumm dastehe und nichts mehr tun kann, als diese blöden Bücher oder noch etwas schreiben, z. B. diesen Titel vielleicht, der keine große Bedeutung zu haben scheint (weil ich selbst kein großer Meister der Sprache, die nicht mein liebes Lebewesen ist, bin), der mir augenblicklich nicht helfen kann, aber Augenblicklich könnten Sie mir ja helfen; ich wende mich an Sie, trotzdem Sie mir absolut unbekannt sind. Nein, ich bin kein Zeuge einer neuen Religion, weil ich alle Religionen, auch die besten von ihnen nicht verstehe, weil ich an nichts glaube, doch diese Leute wollen, daß ich vielleicht nur mindestens ein Wunder vollbringe, was ich nicht tun kann, es tut mir leid, das kann ich nicht, ich bin kein Jesus, ich beweise, daß ich kein Jesus bin und niemand glaubt mir, niemand glaubt mir, weil ich an nichts glaube, ich betone das mehrmals, wie ich das schon gesagt habe. Einfach bin ich vielleicht schockiert und weiß ich selbst nicht, was ich schreibe, weil ich total machtlos, sogar vernunftlos bin (ich habe eigentlich keine Strebungen, mächtig zu sein). Ich bin nicht Jeanne d’Arc oder Gaius Mucius Scaevola, ich habe keinen Wunsch, Jeanne d’Arc oder Gaius Mucius Scaevola zu sein, ich drücke einfach das eindeutig aus, was mich stört, was mein Leben zerstört, was ich nicht schlucken mag, trotzdem es mir von jemand anderem streng und dauernd gegeben wird und ich bin absolut verzweifelt, hoffnungslos, mein Gehirn leert sich von sich selbst, schleudert die Nahrung heraus, die ich nicht kauen und essen konnte, und meine Hoffnungslosigkeit wird damit nicht weniger, als gestern, als vorgestern, als im vorigen Jahr, als im vorigen Jahrhundert, immer wieder, immer ein und dasselbe passiert und passiert und passiert. Wie kann ich nicht böse sein, als viele Menschen: Frauen, Armen, Kinder und alle, die keine Zukunft haben, wie ich selbst, hungrig und obdachlos sind und irgendwo vielleicht jetzt, in der Nacht, in einem Bierlokal übernachten und verfolgt werden? Sie werden verfolgt, indem sie nicht verfolgt werden. Sie haben kein Geld, ich habe auch kein Geld, weil meine Texte zum Glück und leider nur im Internet veröffentlicht werden, weil alle meine Texte unberührt, leblos, jungfräulich auf dem Bildschirm liegen, das wiederhole ich mehrmals, und warten auf ihre Befreier, der mich persönlich vielleicht nicht befreien können, diese Texte, die trotz dieser Art Jungfräulichkeit verbannt werden, nein, diese Bücher werden nicht verbrannt, es ist keine NS-Diktatur (herrscht eine andere, ähnliche und trotzdem andere, unterschiedliche Art Diktatur hier, in Georgien und ich weiß nichts, weil ich nicht fernsehe? Nein, M. Saakashvili hat nichts mit dem Nazionalsozialismus zu tun, nichts, oder? Oder hat er trotz allem etwas mit dem Nazionalismus zu tun, hat er selbst mehrmals gesagt, er sei Ultra- etwas, etwas Ultraviolettes vielleicht, unsichtbar, etwas Unsichtbares, weil seine Taten (und Zutaten, nein, die Rohstoffe und Zutaten noch nicht, noch nicht, es ist zu früh dafür! Und nichts tun!) keiner sieht oder niemand sehen möchte, trotzdem man im Unterschied zu mir gern fersieht, wie z. B. mich jetzt niemand sieht, außer vielleicht leider denen, die nichts sehen müssen), kann ihr Autor verbannt oder verbrannt werden? Aber andererseits weiß ich auch nicht, ob diese jungen Männer, die mich besucht hatten, wirklich Geheimdienstler waren, sie haben mir, diese Männer keine Ausweise gezeigt, mir haben sie einfach gedroht, was schon genug ist, weil ich ohnehin sehr ängstlich bin und noch braucht meine Angst mit keiner anderen Angst ersetzt zu werden! Diesen Ultra-Liberalist, nein, Ultra-Always, ultra-nichts soll ich verehren? Soll ich nur schreiben, daß Bäche fließen, Vögel singen, Kinder tanzen, singen und springen und Blätter fallen und nichts mehr? Die Kinder springen manchmal, neue Sprengstoffe werden für sie zubereitet, Sprengstoffe für alle, heute irgendwo im Irak, wo die georgischen Soldaten ihre Pflicht erfüllen, diese Menschenfresser, und habe ich jetzt nichts mehr ueber M. Saakaschwili zu schreiben, so grob und direkt, weil ich Angst vor ihm habe? Mir ist das scheißegal, ich lebe nicht mehr, und jemand kann mich sogar zweimal nicht mehr töten, soviel Leben habe ich einfach nicht, ich meine, ich lebe nicht mehr, ich lebe nicht mehr schon, das weiß ich genau, ich habe nichts, ich lebe nicht mehr, ich lebe auch nicht mehr, weil ich einfach nicht lebe, weil mich alles krank macht, weil mich alles verzweifelt und unruhig macht, was ich nicht ändern kann, was schon ganz vollkommen aussieht und in Wirklichkeit nichts ist, nichts, nichts, nichts, nichts, nichts, noch tausendmal kann ich sogar das wiederholen; das ändert nichts, nien, das ändert das Nichts leider nicht, das ändert mich langsam und richtet mich zugrunde, weil ich  Angst vor der Zukunft zu haben brauche, nein, jemand braucht, daß ich Angst vor der Zukunft habe, daß ich mich unsicher fühle, nur weil ich keine Gegenwart habe. Schade! Ja; Diese Menschen übernachten jetzt vielleicht in einem Bierlokal, in Frankreich oder Spanien, oder sie übernachten schon nirgends, sogar das weiß ich nicht (noch welche Frauen, welche schöne und menschliche Frauen übernachten hungrig in einem anderen Lokal, in Indien, Azenbaidschan oder Afghanistan, sie kennen mich nicht, ich kenne sie auch nicht, weil wir keine Zeit haben, als immer etwas Sinnloses passiert, die Sinnlosigkeit hat immer genug Zeit, die Liebe nicht, nein, die Liebe darf keine Zeit haben, trotzdem die Liebe auch sinnlos ist (Das finde ich gut. Nicht alles muß sinnvoll sein!) sogar keine freie Sekunde, die Liebe darf nicht einatmen und ausatmen, wenig Zeit für die Ejakulation (im Gegenteil: viel Zeit für die Korruption), etc., das darf die Liebe nicht. Die Liebe muß schöne und saubere Pyramiden bauen, Web-Designerin, Bankierin, Humanistin oder weiß ich nicht noch wer, werden, und, einfach, es gibt keine Zeit für die Liebe selbst. Meine Freundin (oder, besser gesagt: meine unbekannte Freundin, eine junge Frau, die jetzt irgendwo in einem Bierlokal in der Stadt übernachtet, in der sie niemand kennt, niemand sie versteht, nimmt jetzt vielleicht keine Dusche (das Wasser ist überall unsauber! Das Wasser ist überall unsauber!), weil sie kein Haus hat, weil sie kein Zimmer hat, ihre Frisur ist schlecht, sie riecht nach Gift, sieht unschön aus, weil sie kein Haus hat, weil sie kein einziges Zimmer in der Welt der Häuser hat, wo sie wie Pyramiden für unser Fleisch einfach großartig gebaut werden, wo selbst das Fleisch nicht gebaut und umgebaut wird. Jesus hilft seinen Gläubigen, nein, Jesus kann keinem einzigen Menschen helfen, er ist doch tot, nein sogar tot ist er nicht, Niezsche hätte vielleicht etwas dagegen gesagt, doch Jesus Christus ist wirklich nicht tot. Egal), und meine eigenen Meinungen, die ich manchmal mit der schönen Frau Deutsche Sprache teile, die interessanteste Sprache für mich in der ganzen Welt ist, wirklich, weil ich diese Sprache auch nicht genug gut kenne, finde ich persönlich einfach notwendig. Es tut mir leid, nein es tut mir nicht leid, daß ich meine eigenen Meinungen mit ihr teile, es ist nichts, daran denke ich nicht, trotzdem die Geheimnisse, die diese Sprache hat, nur mir gehören, und ich bin für meine Sprache allein verantwortlich, ich bin eine vollverntwortliche männliche Person, schon 25 Jahre alt, ledig, keine Kinder habend, Atheist, Raucher, Schriftsteller und Dillettant. Mein Dillettantismus findet seinen Ausdrück in allen meinen Schriften, weil ich gar nichts kenne, weil, während ich schreibe, vergesse ich, wer ich bin, vergesse ich völleig, wer ich bin, ich verstehe nur, ich merke mir nur, dass ich ein Schriftsteller bin und nichts und niemand mehr. Es tut mir leid, daß ich rauche, daß ich oft rauchen will, daß das Rauchen das einzige Vergnügen für mich ist, es tut mir leid, daß ich rauchen muß und daß ich, was ich muß, immer ungewöhnlich tun kann, daß tue ich immer ungewöhnlich, was ich muß, es ist sehr schlecht, es ist schlecht, daß ich so schlecht schreiben muß. Z. B. Micheil Saakaschwili hat sehr große Chancen, er raucht nicht, er hat keine Probleme, er kann an alles denken, weil er nicht raucht, ich kann das nicht, auch wenn ich nicht rauche, weil die Hungrigen denken nie an alles, sie denken ans Geld und an ihre Hoffnungslosigkeit, weil die Frauen nichts tun, sie sprechen und was sie sprechen, hat keinen Sinn, und ich schreibe auch nichts, weil nichts passiert. Meine Dummheit ist sehr groß. Ich will, daß, was ich schreibe, alle verstehen, sogar die Kinder und Frauen, die zu lesen gezwungen sind, meine Texte zeigen nicht meine Intelligenz, ja, meine Texte zeigen vielleicht nicht, daß ihr Autor intelligent ist, und muß diese Literatur unsterblich sein? Müssen meine Bücher unsterblich sein? Nein, das will ich nicht. Nein, das will ich wirklich nicht.



Hyeronimus Bosch. Garten der Lüste (Hölle).

11.07.2008

 

 

 

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